Webinar 1 Laborteam W vom 21.1.2026

 

Auf myLab läuft von Januar bis September eine Webinarreihe rund um die Reisemedizin. Den Auftakt machte das Webinar zur Organisation von reisemedizinischen Sprechstunden. Dr. Gallus Heeb, Reisemediziner und Hausarzt aus St.Gallen, gab den Teilnehmenden das nötige Rüstzeug mit, um solche Sprechstunden aufzubauen und zu organisieren.

 

Reisemedizinische Sprechstunden sind für viele Praxen eine attraktive Ergänzung. Sie stärken die Patientenbindung, erweitern das Dienstleistungsangebot und können dort einen echten Mehrwert schaffen, wo keine spezialisierten Stellen in der Nähe sind. Dr. Gallus Heeb empfahl, vor dem Start sowohl die Chancen als auch die möglichen Stolpersteine bewusst abzuwägen.

Reisemedizin in der Praxis: Lohnt sich das Angebot?

Diese Gründe sprechen für eine reisemedizinische Sprechstunde:

  • Motivation und echtes Interesse im Team
  • Sprachkenntnisse, welche die Beratung erleichtern
  • Eine junge Praxis oder freie Kapazitäten in der Terminplanung
  • Hohe Nachfrage im ländlichen Raum
  • Offenheit für neue Aufgaben, inklusive klarer Unterstützung der ärztlichen Leitung

 

Diese Gründe können gegen einen Start sprechen:

  • Bereits vollständig ausgelastete Sprechstunden
  • Erkennbare Überlastung im Team
  • Wenig Bereitschaft für neue Prozesse
  • Geringe Akzeptanz für digitale Abläufe
  • Zeitintensive Beratungen

Ein wichtiger Punkt, der im Webinar betont wurde, sind die finanziellen Aspekte. Reisemedizin bedeutet nicht nur Beratung, sondern auch Material, Impfstoffe, Lagerung und organisatorischen Aufwand. «Wer das Angebot neu einführt, sollte deshalb die Kostenstruktur von Beginn an mitdenken», so Heeb.

 

Sichtbar werden

Damit Beratungen rund um Reisemedizin auch genutzt werden, braucht es einen klaren Auftritt nach aussen, so die Devise von Heeb. Schon kleine Anpassungen im Online-Auftritt könnten hier einen spürbaren Unterschied auslösen. Sinnvolle Massnahmen seien zum Beispiel:

  • Impfsprechstunden und Reisemedizin gut auffindbar auf der Webseite platzieren.
  • Eine Möglichkeit anbieten das Impfbüchlein vorab digital prüfen zu lassen.
  • Online-Beratungen anbieten

 

So läuft eine reisemedizinische Sprechstunde strukturiert ab

Ein zentrales Thema war die Vorbereitung. Sind die Unterlagen im Vorfeld vollständig und geprüft, läuft die Beratung deutlich effizienter und mit mehr Sicherheit ab. Als praxisnaher Richtwert gilt eine Dauer von rund 15 Minuten. «Das funktioniert allerdings nur, wenn die Vorbereitung sitzt und die Patientin oder der Patient weiss, was mitzubringen ist», weiss Heeb.

  • Impfbüchlein
  • Reise- oder Flugplan, auch wegen möglicher Umsteigeorte
  • Krankenkassenkarte
  • Kreditkarte
  • Ausgefülltes Formular und Personalien

Besonders wichtig sei der systematische Check des Impfbüchleins. Bei Bedarf kann dann in der Sprechstunde direkt geimpft und die Dokumentation sauber nachgeführt werden.

 

Dr. Heeb antwortet auf typische Fragen

Warum brauchen Reisende ein internationales Impfbüchlein für die Gelbfieberimpfung? «Die Gelbfieberimpfung ist international standardisiert dokumentiert. Der Nachweis im internationalen Impfbüchlein wird weltweit anerkannt und kann an Grenzen verlangt werden. Es ist die einzige Krankheit, bei der Staaten im Rahmen von Ein- oder Ausreisevorschriften einen Impfnachweis verlangen dürfen.»

Nach welchen Kriterien wird ein Impfstoff bestellt?

«Die Empfehlung lautet, eher zurückhaltend zu bestellen. Abgelaufene Impfstoffe verursachen schnell hohe Kosten. Hilfreich sind mehrere Lieferanten, klare Abläufe und eine Checkliste, damit sich Bestellungen planen lassen und man trotzdem flexibel bleiben kann.»

Was ist zu beachten bei Impfstoffen, die selten bestellt werden?

«Bei Impfstoffen, die nur gelegentlich nachgefragt werden, lohnt sich ein genauer Blick auf Preise und Konditionen. Offerten verschiedener Anbieter zu vergleichen hilft, Mehrkosten zu vermeiden.»

Du möchtest noch tiefer in die Thematik eintauchen? Hier findest du die Präsentation mit allen Verlinkungen zu Impfunterlagen und Informationsmaterial.

Text:  Philomena